Grunddaten

Objekttyp: Arzthaus mit Seminarraum
Anwendungsbereich: Lastabtragende Dämmung unter der Bodenplatte
Architekten: Planungsbüro Robert Beham
Brutto-Grundfläche der Nutzungseinheiten (nach DIN 277-1) : 188 m2
Baubeginn: 2014
Bauende: 2015
(c) Bilder: Sebastian Beham, Planungsbüro Beham

Arztpraxis mit Seminarraum

83623 Ascholding | Deutschland

Das Arzthaus liegt inmitten einer traditionell-bäuerlich geprägten Dorfstruktur, circa 30km südlich von München, Oberbayern. Lediglich einen halben Quadratkilometer groß ist die bebaute morphologische Struktur, welche sich an dem Lauf eines der Isar zuläufigen Baches entlang entwickelt hat. Der Wunsch der Bauherrschaft war es, ein altes und heruntergekommenes "Backhäuschen" in einer aufgegebenen Hofstelle durch einen Neubau zu ersetzen. Darin sollte im Erdgeschoss eine Arztpraxis und im Obergeschoss ein vermietbarer Seminarraum Platz finden.

Intention

Der Entschluss der Bauherrn, eine Dorfpraxis zu errichten, deckt sich mit den ideelen Ansprüchen und Credos unseres Büros hinsichtlich nachhaltiger städtebaulicher Entwicklung und sozialer Nachhaltigkeit. Dem demographischen Wandel durch Angebote und Stärkung des sozialen Gefüges entgegenzuwirken und somit die Regionalität zu fördern, ist unseres Erachtens nach ein Hauptbestandteil der wahren Nachhaltigkeit. Ziel war auch eine möglichst flexible Struktur zu kreieren um auf zukünftige, gegebenfalls auftretende Anforderungen an Nutzungsveränderung möglichst kostengünstig und mit minimalstem Aufwand reagieren zu können. Das Gebäude wurde deshalb als umfunktionierbares Wohnhaus konzipiert.

Architektur

Intention des Entwurfes war es eine neuinterpretative Hülle des ehemaligen "Backhauses" zu schaffen. Die Situierung inmitten der aufgelassenen Hofstelle verlangte nach einer sensibilisierten Volumen- und Formfindung. Ein visuell und körperlich reduktiver Baukörper, in der Hofstellenhierachie unterordnender Stellung mit Bezug zur öffentlichen Straße und zur hiesigen, voralpenländischen Baukultur bei gleichzeitig ablesbarer baukultereller Evolution. Geringere Höhe, minimaler Dachüberstand und materielle Konnexität zur umgebenden Bebauung und Natur. Die Nähe des Gebäudes zur angrenzenden Verkehrsstraße sollte dabei erhalten bleiben. Durch einen volumetrischen Einschnitt im Erdgeschoss wird der öffentlichen Straßenraum visuell in das Gebäude eingebunden, um seine öffentliche Nutzung mit diesem zu verknüpfen.

Ökologisches Konzept

Durch eine konsequente Verwendung von langlebigen, qualitativ hochwertigen, ökologischen Baustoffen in allen Bauteilen, welche vielmals durch Überarbeitung eine Verlängerung der Lebenszeit erhalten können, beschränken sich die zu erwartenden Instandhaltungskosten auf ein Minimum. Die Holzoberflächen sowie Sichtestrich- und Betonflächen können einfach durch Abschleifen der verschließenen Nutzschicht erneuert werden. Die Fassadenkonstruktion und deren Bauteile sind simpel, fast archaisch gefügt und bei vielen Bauteilen der Austausch bereits vorgesehen (Fenstereinrahmung/- bretter, Glastausch der Fenster). Durch die vielmals reversible Befestigung einzelner Komponenten wird ein Austausch erleichtert, die Kosten minimiert und die Lebensdauer des Gesamtgebäudes optimiert. Die Verwendung von wenigen, sortenreinen, trennbaren, natürlichen und naturbelassenen Materialien und der überwiegende Verzicht auf Verbundwerkstoffe in Kombination mit der vorfabrizierten Modulbauweise ergeben ein überdurchschnittlich gutes, kreislauffähiges Gebäude. Die reversible Konstruktion vieler Bauteile erleichtert den Aufwand (Montage/Instandhaltung/Rückbau/Recycling) erheblich und bietet die Möglichkeit der Wiederverwendung.

Vollständige Projektdokumentation des Architekten